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Pressebereich der Hörnerdörfer, © Presse und Kommunikation Saremba

Den 21. Sommer verbringt Hirte Bertl Wucherer inzwischen auf der Alpe Dinjörgen., © Michaela Schneider

Dem Älpler und dem Senn über die Schulter geschaut - August 2013Dem Älpler und dem Senn über die Schulter geschaut - August 2013

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Oberallgäu - Bertl Wucherer bewirtschaftet die Alpe Dinjörgen im Oberallgäuer Lochbachtal heuer im 21. Jahr. Auch Ehefrau Michaela und die beiden Töchter Lisa und Lucia leben den Sommer über dort. Inzwischen allerdings neigt sich dieser dem Ende zu. Bald werden die fünf Milchkühe, 90 Rinder und sechs Schweine zurück in die Heimatställe im Tal kehren. Viehscheid in Obermaiselstein ist am 21. September ab 9 Uhr. 1 400 Stück Vieh von insgesamt zwölf Alpen werden dann auf dem Viehscheidplatz erwartet. Wie sich eine Alpe auf den Viehscheid vorbereitet, können Urlaubsgäste im Hörnerdorf Obermaiselstein bei einer Viehscheid-Infotour erfahren. Einblicke ins Älplerleben eröffnet auch das Angebot „Ein Tag als Senn“.

Wie aber bereiten sich Menschen und Tiere auf das Ende des Alpsommers vor? Zunächst einmal überlegt sich Bertl Wucherer nach einem unfallfreien Alpsommer, welches Rind heuer den Kranz tragen darf. Für den Hirten kommt hierfür nur das fürs Allgäu typische Braunvieh in Frage. „Die Wahl fällt auf das beste und schönste Tier“, sagt der Hirte. Schon am Vortag treffen acht bis zehn Helfer auf der Alpe ein. Gemeinsam werden den Tieren die kleinen Weideschellen abgenommen und durch große Zugschellen ersetzt. Dabei besitzt übrigens nicht jede Alpe eigene Schellen für den Viehscheid, vielmehr wird der prächtige, klingende Schmuck von Ortschaft zu Ortschaft weitergereicht. Gleichzeitig treffen sich die Frauen, um den Kranz fürs Leitrind zu binden. An den Tagen zuvor sammelt die Familie Alpenrosen, Kräuter, Sträucher, Silber- und Golddisteln, Enzian, Erika und Vogelbeere. „Für einen schönen Kranz braucht man einiges an Material – eingebunden wird, was die Natur im Spätsommer zu bieten hat“, sagt Bertl Wucherer. Am Tag des Viehscheids klingeln dann auf der Alpe Dinjörgen frühmorgens die Wecker. Die Kühe werden ein letztes Mal gemolken und alle Tiere durchgezählt. Anschließend gibt es für Familie und Helfer Frühstück. Gegen 9 Uhr werden die Festgewänder angelegt, etwa eine Stunde später beginnt der rund zweistündige Fußmarsch ins Tal. Ist die Talstraße erreicht, wird dem Leitrind der Kranz angelegt, bevor es auf den Scheidplatz geht. Anschließend wird mit Hirten, Älplern und Besuchern im Festzelt gefeiert. Zwischen 20 000 und
30 000 Besucher werden alljährlich an dem Festtag in Obermaiselstein erwartet. Der Viehscheid gilt längst als eine der großen Touristenattraktionen in der Region.

Ein besonderes Angebot am Vortag des Viehscheids, am 20. September, bietet die Gemeinde Obermaiselstein mit der Viehscheid-Infotour an. Mit Wanderführern geht es vom Riedbergpass aus zu Fuß auf die Alpen Schattwald und Dinjörgen. Dort können die Teilnehmer einen Blick auf Viehscheid-Vorbereitungen wie das Kranzbinden oder das Anlegen der Zugschellen werfen. Zur Stärkung gibt es eine Brotzeit und erfrischende Getränke. Zurück kann am Nachmittag entweder gewandert werden oder man fährt bequem im Naturpark-Shuttle-Bus mit. Anmeldung bis spätestens einen Tag vorher in der Gästeinformation in Obermaiselstein, Telefon 08326/277. Details: www.obermaiselstein.de/viehscheid-infotour

Bildunterschrift:

Den 21. Sommer verbringt Hirte Bertl Wucherer inzwischen auf der Alpe Dinjörgen. Foto: Michaela Schneider

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